2. Korb Urheberrechtsnovelle: Rückwirkendes Online-Nutzungsrecht für Verlage

Eine Eigenart des neuen Urheberrechts: Bei Publikationen, die vor 1995 erschienen sind, also zu einer Zeit als es das Online-Publizieren noch gar nicht gab und deswegen auch nicht in Verträgen berücksichtigt werden konnte, fällt den Verlagen ganz automatisch das alleinige Nutzungsrecht für die Online-Verwertung zu. Wenn man als Autor seine Online-Nutzungsrechte nicht einfach so abgeben möchte, muss man bei seinem Verlag gegen die Online-Nutzung widersprechen.

Durch diese Gesetzesänderung sind die Anbieter von zum Beispiel Open Access-Archiven gezwungen, bei den Autoren für die Übertragung eines eingeschränkten Nutzungsrechts zu werben, wie es gerade die Betreiber der Virtuellen Fachbibliothek Psychologie machen:

Liebe Wissenschafterlinnen und Wissenschaftler,

wir wenden uns mit dieser Mail an Sie, da sie in der Vergangenheit bereits Dokumente auf unserem Psychologie-Open-Access-Server PsyDok veröffentlicht haben. Die Mail enthält wichtige Informationen über das neue Urheberrechtsgesetz und Möglichkeiten zur Veröffentlichung älterer Dokumente.

Zu Beginn des Jahres 2008 tritt ein neues Urheberrecht in Kraft, unter anderem mit Änderungen der Nutzungsrechte für ältere wissenschaftliche Publikationen (Erscheinungsjahr 1966-1995). Damit Ihr Nutzungsrecht zur Online-Publikation dieser Werke nicht automatisch an die Verlage fällt und damit dauerhaft verloren ist (falls Sie nicht noch ausdrücklich bei jedem einzelnen Verlag widersprechen), machen wir Sie auf die Möglichkeit der Übertragung eines einfachen Nutzungsrechts für die Online-Publikation ihrer zwischen 1966 und 1995 veröffentlichten Werke an Ihre Universität, sofern diese einen Server zur Veröffentlichung der Dokumente betreibt (eine Liste finden Sie hier: http://miles.cms.hu-berlin.de/dini/wisspub/repositories/german/index.php), und/ oder an die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) zur Veröffentlichung dieser Dokumente auf PsyDok (http://psydok.sulb.uni-saarland.de/) aufmerksam.

Nach der bisherigen Rechtslage sind Sie im Besitz der Digitalisierungsrechte aller Ihrer vor 1995 erschienenen Werke, auch wenn Sie damals ihrem Verlag sämtliche Nutzungsrechte übertragen haben. Mit der Neufassung des Urheberrechtsgesetzes, die Anfang des Jahres 2008 in Kraft tritt, wird sich das ändern (§ 137 l Abs. 1 UrhG). In Fällen, in denen ursprünglich alle wesentlichen Nutzungsrechte ausschließlich sowie räumlich und zeitlich unbegrenzt eingeräumt wurden (und das ist der Regelfall!), gehen dann von Gesetzes wegen auch alle Nutzungsrechte für Online-Publikationen auf den Verlag über, wenn Sie nicht bis spätestens zum Ende 2008 bei jedem Verlag widersprechen. Der Verlag hat dann höchstwahrscheinlich sogar die alleinigen, also exklusiven Nutzungsrechte und kann die digitalisierten Publikationen kostenpflichtig im Internet anbieten.

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